Über den Presa Canario
Der Perro de Presa Canario stammt ursprünglich von den kanarischen Inseln. Deshalb wird die Rasse auch als Canary Dog (Kanarische Dogge) betitelt.
Wie aber auch andere Hunderassen sind die Presa Canarios eine Mixtur aus unterschiedlichen Hundetypen. Den Presa Canario, so wie wir ihn heute kennen, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert und ist daher eine noch relativ junge Rasse.
Der genaue Verlauf der Rassenentwicklung ist natürlich nicht völlig nachvollziehbar, da es keinerlei zuverlässige Aufzeichnungen gibt. Doch ist bekannt, dass auf den kanarischen Inseln zur Zeit der englischen Einwanderung bereits große Molosser lebten. Es handelte sich dabei wohl um den Perro de Pastor Mallorquin und dem Cao de Castro Laboreiro, oder um Hunde die diesen Rassen ähnlich waren.
Die englischen Einwanderer brachten ihre eigenen Hunde mit auf die Inseln. Laut Literaturhinweisen waren dies Rassen wie Mastiffs und Bulldoggen des alten Typs, die mit den einheimischen Hunden gekreuzt wurden. Wenn man an dieser Stelle aber nun berücksichtigt, das die urtypischen Bulldoggen aufgrund des Bull Baitings Verbots von 1835 aus der Mode gerieten und die Hundekämpfe derzeit aufblühten, kann man auch davon ausgehen, das bullartige Hunde und Terrier verpaart wurden, um die Beißkraft der Bulldogs und die Schnelligkeit der meist weißen Terrier mit einzubringen. Die weiße Fleckenzeichnung auf der Brust könnte auch ein Hinweis auf die Verwandschaft zum Terrier sein.
Hundekämpfe waren derzeit bei den englischen Einwanderern ein beliebter und profitabler Zeitvertreib. Es ist kaum verwunderlich, dass der Presa Canario gezielt auf Ausdauer, Kraft, Tapferkeit und Gehorsamkeit gezüchtet wurde. Um einen Hundekampf zu gewinnen, war es aber auch erforderlich, dass der Hund extrem schmerzunempfindlich ist.
Vielleicht kamen auch hier wieder die Perversionen der Kampfhundtrainer zum Einsatz, die bereits in den vorherigen Jahrhunderten bei der Ausbildung zum Bull Baiting angewandt wurden: Wenn sich der Hund in die Nase des Bullen verbissen hatte, wurden ihm z.B. die Pfoten verstümmelt. Hat der Hund trotz Schmerzen den Biß nicht gelöst, erntete der Hundehalter große Anerkennung.
1940 wurde der Hundekampf in Spanien unter Strafe gestellt. Dies führte dazu, dass die Haltung eines Presa Canarios für viele Halter nicht mehr reizvoll war und die Rasse schnell in Vergessenheit geriet. Rund 30 Jahre später besannen sich einige Liebhaber der alten Rasse und versuchten diese erneut zu züchten. Dies war sicherlich ein schwieriges Unterfangen, da die alte Linie nur noch über einen geringen Genpool verfügte. Aber in ländlichen Gebieten fand man noch einige “reine” Exemplare, aus denen in einem Zeitraum von ca. 10 Jahren die Rasse Perro de Presa Canario wiederbelebt wurde.
Kleines Dings am Rande:
Es gibt immer noch einige Zeitgenossen unter uns, die den Irrungen und Wirrungen, der Medien erlegen sind und viele fantastische Geschichten aus der Hundewelt, besonders zur Kampfhundproblematik kritiklos hinnehmen. Diesen sei an dieser Stelle gesagt: Es gibt keine sogenannten Kampfhunde die dazu gezüchtet wurden Menschen anzugreifen. Es gibt Hunderassen die in der Vergangenheit für Hundekämpfe mißbraucht wurden.
Diese Hunde durften niemals ihren Herren oder andere Menschen beißen und wurden speziell darauf hingezüchtet. Gehorsamkeit und Loyalität gegenüber dem Herrchen hatte oberste Priorität! Hunde die beim Kampf getrennt wurden und dabei ihren Besitzer angingen wurden damals im allgemeinen getötet. Ein Hund der sich gegenüber dem Menschen aggressiv verhielt konnte nicht weiterverkauft werden. Es ging schließlich um viel Geld und man hatte einen Ruf zu verlieren.
Wäre bei einem sogenannten Kampfhund die Hemmschwelle einen Menschen zu beißen tatsächlich so gering, wie dies immer wieder von einigen gewissenlosen Medienanstalten proklamiert wird, dann würde im Fußballstadion die Hundestaffel wohl nicht aus Schäferhunden sondern aus PitBull Terriern bestehen.